Peitnach-Hof

Schon um 1500 ist auf dem Platz des heutigen Peitnach - Hofes ein landwirtschaftliches Anwesen nachweisbar, das zum Kloster Rottenbuch gehörte. Zu welchem Zeitpunkt diese Bindung und auch die Zehentpflicht endete, ist nicht bekannt. 1704 war Bonifaz Weckerle Besitzer und bis 1827 blieb es im Besitz dieser Familie. Dann wurde der Hof von Leonhard Wörnzhofer gekauft und trug den Hausnamen Bondlbauer. 1876 kaufte Georg Schmid, Bauer vom Nachbarhof Stefflbauer – später Alte Kolonie genannt – den Hof und verkaufte  1894 beide Anwesen an die Arbeiterkolonie Herzogsägmühle, die über dem 1878 abgebrannten und 1888 wiederaufgebauten Hofstelle 1896 ein neues Verwaltungsgebäude mit Küche, Speisesaal und Schlafsäle baute.

Der erste Name des Peitnachhofes war Kolonistenhaus, später Verwaltungshof, ab 1984 Peitnachhof.

 

Die Zeitschrift „Das Bayernland“ Ausgabe Nr. 9 von 1897 berichtet über die Generalversammlung vom 02. September 1896 des Vereins für Arbeiterkolonien in Bayern anlässlich der Einweihung des Kolonistenhauses in Herzogsägmühle.

So wird u.a. berichtet: „Ein breiter Hauseingang teilt das Erdgeschoß in zwei Teile. Rechts ist neben der Anstaltsküche und Speisekammer der große Aufenthaltssaal der Kolonisten. Das Parterre enthält noch die Arbeitsstätte für das notwendige Gewerbe der Schneiderei und Schusterei und eine Kleiderkammer, sodann im Seitenflügel die Bureauräume und Gastzimmer.

 

Über eine Stiege kommen wir in drei Schlafsäle, mit eisernen Bettstellen. Jeder Schlafsaal faßt 30 bis 40 Betten. Einen deutlichen Eindruck von der Sorgfalt, mit welcher der Bau ausgeführt wurde, gibt im Kellergeschoß die in jedem einzelnen Keller vorhandene Kanalisation; mit derselben ist der Gemüse-, der Kartoffel-, der Schlachtkeller versehen.

Das Gebäude konnte damit 100 – 120 Kolonisten aufnehmen. Die Verwaltung der Einrichtung, einige Werkstätten, Speisesaal mit Küche und den erforderlichen Nebenräumen waren im Haus integriert.

 

Auch ein Bet-Saal  war bis 1949 (Bau der Martinskirche) im Haus vorhanden.

 

1938 wurde im 1. Stock in mehreren Zimmern eine große Krankenabteilung eingerichtet und im Ostflügel eine Inspektor-/ Direktorenwohnung geschaffen. Im Dachgeschoß befanden sich zudem Wohnräume für Mitarbeiter. Bis zum Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes (1984) waren die Poststelle Unterobland und ein Kramerladen (dann im ehemaligen Landwirtschaftsgebäude) im Erdgeschoss untergebracht.

Der riesige Dachraum war ursprünglich leer bzw. wurde als Abstellraum/ Lagerraum z.B. für Zwiebel genutzt. Der Einbau eines Getreidebodens war geplant.

Wasch-, Dusch- und Bademöglichkeit gab es nur im Kellergeschoss. Hier war auch die dringend benötigte Kleiderkammer. Aus Spenden gab es auch gebrauchte Oberbekleidung umsonst.

 

Die Heizung erfolgte über Einzelöfen. Das Haus hatte damals acht Kamine mit insgesamt 15 Kaminzügen. Eine Zentralheizung für das ganze Haus gab es erst 1960, die dann auch das neugebaute Kahl- Haus mitversorgte. Ebenso wurde ein unterirdischer Verbindungsgang zur Versorgung des Speisesaales des Adolf-von-Kahl-Hauses gebaut.

Der auch heute noch sehr stattliche Bau wurde bis heute äußerlich nicht wesentlich verändert. Der WC- Anbau an der Ostseite erfolgte später. Die Klärung der Abwässer erfolgte über Klärgruben. Da es damals keine Kanalisation gab, wurde das „geklärte“ Abwasser über Sickergruben in einiger Entfernung vom Haus in den Untergrund geleitet.

 

1958 zog eine Aufnahmeabteilung und eine landwirtschaftliche Abteilung für je 16 Jugendliche im Peitnachhof ein. Einige Zeit später gab es eine erweiterte Aufnahme- Abteilung im Ostflügel Dachgeschoss. Dort wurden neuankommende Jugendliche aufgenommen, die nach Abklärung ihrer jeweiligen Situation in andere Häuser von Herzogsägmühle umzogen.

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1984 erfolgte der Umzug der Verwaltung in den Neubau der Gemeinsamen Verwaltung und der Verwaltungshof erhielt den Namen „Peitnachhof“. Im frei gewordenen Ostflügel fanden nach Sanierung und Umbau behinderte Mitbürger aus dem Haus Obland ein neues Zuhause.