Streuobst erhalten

Der Begriff „Streuobst“ leitet sich davon ab, dass Obstgehölze an Böschungen und Wegen, auf Feldern, Wiesen und Weiden, Ortsrändern und Gärten „ge- oder verstreut“ stehen. Vielfach ist die doppelte Nutzung mit Obstanbau und einer Unterkultur sowie verschiedenen Obstarten, Sorten und Altersstufen auf einer Fläche zu beobachten. Um den Bestand in unserem Landkreis zu erhalten und zu erweitern fand auch in diesem Jahr eine Bestellaktion statt. Der Kreisverband für Gartenkultur und Landespflege konnte 1016 Bäume abgeben. Sechs davon auch an einen Interessenten aus unserem Dorf. Sie fanden einen geeigneten Platz südlich der Flutmulde beim Neubaugebiet Schusteranger. Wettringer Taubenapfel, Borowinka, Schöner aus Wiltshire, Winterrambur, Schöner aus Nordhausen und die Bayerische Weinbirne werden mit ihren klingenden Namen und ihrer imposanten Wuchsform in einigen Jahren unser Ortsbild bereichern. Dazu wird es einer langen Zeit der fachkundigen Obhut bedürfen. So wurde schon bei der Pflanzung an einen Schutz vor den gefräßigen Wühlmäusen gedacht und die Wurzeln mit „Wühlmauskörben“ geschützt. Wichtig wäre auch noch der Schutz vor Wildverbiss. Wer fachkundig Auskunft möchte, kann gerne den Verfasser kontaktieren. Der Besuch eines Spezialseminars „Wühlmäuse, Feldmäuse, Maulwürfe - Lebensweise und Bekämpfung“ in Theorie und Praxis brachte die nötigen Erkenntnisse zur Vorbeugung sowie technischer und chemischer Maßnahmen.


Zwischen dem Albtrauf (dem Steilabfall der Schwäbischen Alb) und dem Neckartal liegt mit ca. 26.000 ha Mitteleuropas größte zusammenhängende Streuobstlandschaft. Inmitten dieser Gegend, in Metzingen, nahm der Verfasser an dem diesjährigen Internationalen Pomologentreffen teil. Über 1,5 Millionen großkronige Obstbäume werden von vielen Keltereien, etwa 700 Brennereien, 130 Mostereien und unzähligen kleinen, aber innovativen Betrieben gepflegt und genutzt. Die Bewirtschaftung erfolgt überwiegend im Nebenerwerb. In den rund 200 Obst- und Gartenbauvereinen engagieren sich über 23.000 Mitglieder. Unter dem Namen Schwäbisches Streuobstparadies haben sich sechs Landkreise aus Marketinggründen zusammengeschlossen. Aber das Paradies ist bedroht. Mehr als die Hälfte aller Bäume, viele regionale Sorten sind verschwunden. Die Pflege der Wiesen und die Ernte des Obstes sind aufwändig und auf schwäbisch, wie ein Referent bemerkte, „a saumäßg´s G`schäft“ (= eine Menge Arbeit). Die Bewirtschaftung lohnt sich nicht mehr, denn Obst wird auf der ganzen Welt in intensiv bewirtschafteten Plantagen billig produziert. Viele Bäume sind dem Siedlungs- und Straßenbau zum Opfer gefallen, sie sind überaltert und auch bei den Bewirtschaftern fehlt der Nachwuchs. Somit war mein Eindruck: alte Männer pflegen alte Bäume. Neupflanzungen finden seit vielen Jahren nicht in dem Maße statt, wie es zu einer Bestandserhaltung notwendig wäre.


Da sind wir doch in unserer Gemeinde auf einem guten Weg. Seit seiner Wiedergründung spendiert der Gartenbauverein den Eberfinger Grundschulkindern Obstgehölze. Mit dem Zitat des Reformators Martin Luther „..und wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergeht, würde ich dennoch heute einen Apfelbaum pflanzen“ möchte ich Sie, liebe Gartenfreunde auf die Baumpflanzaktion in diesem Jahr hinweisen. Am 21. März 2018 erhielten wieder 24 Kinder der ersten und zweiten Grundschulklasse Obstbäume und -sträucher. Wir hoffen, dass unser Nachwuchs weiterhin die Gartenkultur fördert und die Kulturlandschaft erhält.          dv